Historie

Der frühere Marktflecken Alverdissen zählt zu den ältesten Orten in Lippe, deren Ursprung in die Zeit Karls des Großen (um 800 n. Chr.) fällt. Urkundlich erwähnt wurde "Alwerdessen" erstmals 1151. Das für lippische Gründungsstädte typische "Dreistraßenschema" lässt erkennen, dass es sich um eine planmäßige Gründung gehandelt haben muss. Ein Stadtsiegel existiert aus dem 14. Jahrhundert. 1370 fanden ein städtischer "Rath" und Bürgermeister Erwähnung. Schon früh wurde der Ort zum Flecken erhoben und mit verschiedenen städtischen Rechten ausgestattet.

                                        

Bestimmend für die Bedeutung Alverdissens in früherer Zeit war die Lage am Kreuzungspunkt zweier alter Poststraßen: Die Postlinie Hameln-Paderborn und ab 1737 eine hessische Linie von "Cassel" nach Rinteln. Ab 1814 gab es eine Thurn- und Taxis´sche Postexpedition, die zwei Jahre später mit der Kurhessischen vereinigt wurde. Doch die exponierte Lage hatte auch den Nachteil, dass Heerzüge entlang der Straße vorbeizogen. Waren es im 15. Jahrhundert die Böhmen, folgten die Braunschweiger sowie französische und russische Truppen in der Napoleonischen Zeit. Als Herrensitz der Grafschaft Sternberg wird eine Burg in Alverdissen erstmals 1396 urkundlich erwähnt. Nach dem Aussterben der Grafen von Sternberg gelangte Alverdissen an die Edelherren zur Lippe. Im 17. Jh. Übernahm Graf Philipp zur Lippe, der spätere Graf zu Schaumburg-Lippe, das Besitztum. Graf Philipp-Ernst II. zu Lippe-Alverdissen nutzte das Schloss als ländliche Repräsentationsanlage. Der Graf war Kommandeur der fürstbischöflichen Militäreinheiten in Münster und sicherte seine Macht in Alverdissen und der Umgebung durch Amtmänner und mehrere Soldaten.

                                                      

Noch als Kind legte sein Sohn Friedrich Christian 1662 den Grundstein für das Schloss. Sein Bruder Philipp Ernst I. begründete die in Alverdissen residierende Nebenlinie des Hauses Lippe. Nach der Zerstörung eines Vorgängerbaus, von dem die Kellergewölbe und die Grundmauern erhalten blieben, wurde das Schloss östlich des Dorfkerns in den Jahren 1662-63 als dreigeschossiger Barockbau mit Krüppelwalmdach und vorgezogenem Treppenturm mit geschweiftem Dach errichtet.

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1812 erwarb Fürstin Pauline zu Lippe das Schloss und bestimmte es als Sitz des Amtes Sternberg. Von 1879 bis 1969 war das Schloss Sitz des Amtsgerichtes. Das Gebäude ist im 19. und 20. Jh. mehrfach umgestaltet worden und zeigt sich heute als schlichter zweigeschossiger Rechteckbau mit Satteldach. Die ehemaligen Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Schlossanlage sind abgerissen. Die Schlossanlage wird im Süden und Westen von einer Bruchsteinmauer begrenzt. Auf dem ehemaligen Schlosshof, der inzwischen in eine pflegeleichte Grünanlage umgestaltet wurde, findet sich ein bemerkenswerter Altbaumbestand hauptsächlich aus dem 19. Jh.. Der Bereich des ehemaligen Schlossgartens liegt deutlich tiefer als der Hof mit dem Schloss und wird nach Osten und Norden durch den Lauf der Exter begrenzt. Auf der Fläche hat man in den letzten Jahren eine Streuobstwiese angelegt.   

 

                                       

 

Nach umfassenden Modernisierungen von 1977-79 wurde das Schloss als Nebenstelle des Staatsarchivs Detmold bis 2008 genutzt. Im Jahre 2009 ging das Schloss Alverdissen in Privatbesitz über.   

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        

Quelle: mit freundlicher Genehmigung des "Landesarchiv NRW"

Abteilung Ostwestfalen-Lippe, Detmold.